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Wissenschaftliche Studien

ISBN-10: 3-86064-036-4
ISBN-10: 3-8300-1198-9

Um ein hohes Niveau unserer verantwortungsvollen Arbeit zu gewährleisten, stehen wir im kontinuierlichen Dialog mit deutschen und europäischen Universitäten sowie internationalen Expertenkreisen (z.B. ISPS). Gern kooperieren wir mit weiteren Hochschulen, Kompetenzträgern und Fachinstituten. Ebenso arbeiten wir auch auf regionaler Ebene mit Fachverbänden, Fördervereinen, dem Gemeinde-psychiatrischen Netzwerk Salzwedel und Facharbeitskreisen (z. B. AK Psych, PSAG) zusammen.

 

Durch wissenschaftliche Begleitung lassen sich unsere erfolgreichen Reha-bilitationsstrategien belegen.

Wir verweisen auch auf unsere hier abgebildeten Bücher "Alkoholismus und Borderline-Störung" sowie "beziehungs-reich: Interdisziplinäre Rehabilitation chronisch psychisch kranker Menschen".

 

Nicolas Nowack:
Beziehungsorientiertes Arbeiten und eine tiefenpsychologische Gesprächsgruppe in einem Wohnheim für seelisch behinderte Menschen

 

Zusammenfassung:
Publikationen zur tiefenpsychologischen Gesprächsgruppe mit seelisch Behinderten (die so schwer beeinträchtigt sind, dass sie die Betreuung im Wohnheim benötigen) sind rar. Hier werden mehrjährige Erfahrungen beschrieben, auch Setting, Einschlusskriterien und Gruppen-regeln, ferner das modifizierte tiefenpsychologische Vorgehen (z.B. Befindlichkeitsrunde am Anfang/Ende, aber keine Themenvorgaben; anteilnehmendes „Verwörtern“). In Ausein-andersetzung mit Literatur zu Psychotherapie-Wirkfaktoren wird erläutert, warum in dieser Gruppe und ihrem sozialpsychiatrischen Umfeld besonderer Wert auf beziehungsorientiertes Vorgehen gelegt wird. Obwohl das Thema Beziehungen gerade für Schizophrene angstbesetzt ist, machte es ¼ der Gesprächsthemen aus (entspricht Häufigkeit einer Neurosengruppe aus Literatur) und wurde in rund 70 % der Sitzungen angesprochen.

Schlüsselwörter:
seelisch behindert, Wohnheim, tiefenpsychologisch, Gruppe, Beziehung, Wirkfaktoren, Gesprächsthemen

aus: Praxis Klinische Verhaltenstherapie und Rehabilitation 2006, 73, 241-250

 

 

Hilfeerhebungsverfahren nach Dr. Nowack

Für die Entstehung dieses Instruments war ein Ausgangspunkt unter anderen, dass vorhandene Verfahren (z.B. nach Metzler oder Anlagen aus dem Rahmenvertrag Sachsen-Anhalt (jetzt im RV als Anlagen A und L)) u.E. eher auf geistig Behinderte ausgerichtet sind, aber auch psychiatrische Skalen (z.B. IBRP) gerade für die Hilfebedarfsermittlung von schwer und chronisch psychisch Kranken/seelisch Behinderten uns nicht spezifisch genug erschienen. Formale Vorgaben kamen hinzu.
Ein Ziel bei der Entwicklung des neuen Verfahrens war, dass auch nicht psychiatrisch tätige Personen (z.B. bei Behörden oder Kostenträgern) dieses - besonders einfache - Verfahren durchführen können.
(Dies setzt aber natürlich detaillierte Informationen bzw. Kenntnis des Patienten voraus.)
Ferner sollte der Erhebungsbogen - durch diverse Beispiele bei den Items - besonders anschaulich sein.
Seine psychometrischen Kennwerte wurden wissenschaftlich untersucht und belegen seine Qualität. 

Nachdem der Fremdbeurteilungsbogen im ZSP und seinem Salzwedeler Gemeindepsychiatrischen Netzwerk unter Federführung von Dr. Nowack erstellt worden war,  fand er sofort großes Interesse, v.a. in Sachsen-Anhalt und beim dortigen Ministerium für Gesundheit und Soziales,  und er gelangte zu breiter Anwendung.

Der Fachöffentlichkeit wurde der Erhebungsbogen bereits auch vorgestellt,  durch Dr. Nowack z.B. beim Hearing "Neuordnung der Eingliederungshilfe in Sachsen-Anhalt" am 04.02. 2005 in der Hochschule (FH) Magdeburg-Stendal.

In Sachsen-Anhalt wird dieser Hilfeerhebungsbogen flächendeckend verwendet und muss nach dem Rahmenvertrag für alle seelisch behinderten Eingliederungshilfe-Empfänger angewandt werden.

Über die Jahre ergaben sich unterschiedliche - aber inhaltlich identische - Layouts und Bezeichnungen, z.B. "Nowack-Psych", "Anlage M des Rahmenvertrags", "Hilfeerhebungsverfahren nach Dr. Nowack", "SEB".

(Eine Evaluation zu diesem Instrument - in Zusammenarbeit mit der Uni Braunschweig / FB Psychologie - wird veröffentlicht in "Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation")



Nicolas Nowack:

Salzwedeler Erhebungsbogen zur Ermittlung der Hilfebedarfe von Menschen mit psychischer Erkrankung oder seelischer Behinderung (SEB).


Das Instrument ist 5-fach gestuft von "kein Hilfebedarf" bis "sehr großer Hilfebedarf".


Hier der Erhebungsbogen in Auszügen: 

(Der vollständige Bogen kann über uns bezogen werden.)  




Nicolas Nowack

Lebensverlängernde Maßnahmen in der gerontopsychiatrischen bzw. geriatrischen Langzeitpflege

Ältere - chronisch schizophren - erkrankte Menschen

Wie ist die Sicht Betroffener ?

Voranstellen möchte ich meine Hoffnung, dass solche von humanitärem ärztlichen und pflegerischen Anliegen getragene Befragungen (welche Behandlung betagte lebensbedrohlich Erkrankte wünschen) nicht falsch verstanden werden. D.h. von politischer Seite oder von Seiten der Kostenträger - v.a. bei deren Kostensparabsichten - sollten derartige Untersuchungen (gerade für chronisch psychiatrische Patienten) nicht zu deren Nachteil interpretiert werden. 
Natürlich sind der Patientenwunsch und eine etwaige Patientenverfügung, was sich aber auch ändern kann, und die (vermehrt auch wissenschaftlich beachtete) Lebensqualität für ärztliches und pflegerisches Handeln von größter Bedeutung (1-4).
Doch ergänzend möchte ich auf die Bedeutung der therapeutischen Beziehung und Begegnung hinweisen (1, 3, 4). Bei guter Beziehung sind nicht nur zutreffendere Einschätzungen der Patientenwünsche durch Behandlungsteam und Angehörige (als die von den Autoren der Züricher Studie wiedergegebenen) zu erwarten, sondern auch gerontopsychiatrische bzw. geriatrische Pflegepatienten dürften eher Vertrauen zu Behandlungsangeboten fassen. Mich hat die niedrige Befürwortung der Patienten zu einer (ja relativ nebenwirkungsarmen) Antibiotikatherapie der Züricher Studie überrascht. Ich möchte daher - zum Vergleich mit der Züricher Untersuchung im Deutschen Ärzteblatt 1999 - eine eigene Befragung gegenüberstellen, da hier - bei ansonsten ähnlicher Fragestellung und Setting - die Zustimmung chronisch schizophrener Patienten zu ärztlicher Behandlung wesentlich höher lag und auch die zutreffende Einschätzung der Patientenantworten durch Pflegepersonal recht hoch war (4).

Ersteres ist besonders bemerkenswert, da eine chronische Schizophrenie insbesondere die subjektive Befindlichkeit, Beziehungsfähigkeit, Persönlichkeit und so auch die sozialen Möglichkeiten stark beeinträchtigt sowie die Fähigkeit, angenehme Gefühle erleben zu können (Anhedonie). Ferner ist die Häufigkeit von Suizidversuchen und Suiziden bei Schizophrenen, gerade auch in stationären Einrichtungen, deutlich erhöht. (Formale Probleme bei Studien- vergleichen, wie etwa auch das niedrigere Alter der von uns befragten Teilnehmer oder anderes, kann ich hier nicht näher ausführen.) Bei unserer hier vorgestellten Untersuchung wurde zuerst nach dem generellen Wunsch nach somatischer Therapie im Falle einer lebensbedrohlichen körperlichen Erkrankung gefragt, anschließend nach einzelnen, zunehmend belastenderen Behandlungsmöglichkeiten. Bei allen Fragen wurden mögliche unangenehme Nebenwirkungen der Behandlung betont. Befragt wurden alle in einer psychiatrisch-rehabilitativen Behinderten- und  Pflegeeinrichtung lebende Menschen, für die die Ein-/ Ausschlusskriterien (siehe unten) zutrafen und die an der Befragung teilnehmen wollten: Keiner lehnte die Teilnahme ab. So nahmen 10 ältere Heimbewohner (4 Männer, 6 Frauen) im Alter von 56 bis 79 Jahren (Durchschnitt 65,7 Jahre) teil. die an einer chronischen Schizophrenie leiden. Bei der Hälfte (alle Männer, eine Frau) war zusätzlich in der Vergangenheit Alkoholmissbrauch aufgetreten (jetzt abstinent), ferner bestanden teilweise chronische körperliche Leiden.
Vorweg waren Demenz, akute Suizidalität und Depression ausgeschlossen worden. Die Patienten mussten nach Einschätzung vom psychiatrischen Facharzt und Pflegepersonal in der Lage sein, die Fragen adäquat zu verarbeiten und zu verstehen. Ferner durfte kein Anhalt für eine lebensbedrohliche Krankheit bestehen.

Ergebnisse
Auf die erste Frage, ob die Patienten im Falle einer lebensbedrohlichen Erkrankung eine ärztliche Behandlung - trotz eventueller Nebenwirkungen - wünschen würden, antworteten 8/10 mit ja, 1/10 unentschieden, 1/10 mit nein. Lindernde ärztliche Maßnahmen, zum Beispiel Schmerzrmittel, wünschten aber alle Befragten. Eine Behandlung mit Antibiotika (zum Beispiel im Falle einer Lungenentzündung) wünschten 7/10, 2/10 waren unentschieden 1/10 dagegen. Immerhin noch 5/10 würden wenn nötig auf einer Intensivstation behandelt werden wollen, 2/10 waren unentschieden, 3/10 lehnten eine intensivmedizinische Behandlung ab. Insgesamt nahm also die Zustimmung zu ärztlicher Behandlung mit zunehmenden Nebenwirkungen und zu erwartender zunehmender Einschränkung der Lebensqualität ab. Für 3/10 der Patienten hatte die jeweils zuständige Krankenschwester alle Antworten ihrer Patienten richtig vorhergesagt. Bezogen auf die Gesamtheit der Fragen schätzte das Pflegepersonal dagegen die Antworten ihrer Patienten für 7/10 richtig und nur für 3/10 unrichtig ein. Betonen möchte ich abschließend aber, dass keine Statistik eine therapeutische Beziehungsaufnahme zum Patienten und die Fragen nach seinen individuellen Sorgen und Behandlungswünschen ersetzen kann.

Liter
atur

1. Frede U: Behandlung unheilbar Erkrankter. Weinheim: Psychologie Verlags Union. 1992: 37-48.
2. Hope T. Oppenheimer C: Ethics and the psychiatry of old age. In: Jacoby R, Oppenheimer C (eds): Psychiatry in the elderly. Oxford: Oxford University Press, 1997; 709-735.
3. Kipp J, Unger H-P, Wehmeier PM: Beziehung und Psychose. Stuttgart: Thieme, 1996;29-75.
4. Nowack N et al.: Versorgungsangebote für psychisch behinderte Menschen in Sachsen-Anhalt - Wünsche und Wirklichkeit. (In Vorbereitung)

(Veröffentlicht in ähnlicher Version in:  Deutsches Ärzteblatt)




Nicolas Nowack

"Ergebnisse der Spät- und Langzeit-Rehabilitation mehrfach behinderter Alkoholkranker im ZSP Salzwedel". Stichtagsbezogene Untersuchung vorgestellt im Rahmen eines Vortrags zur Eröffnung der Psychiatrischen Tagesklinik Uelzen am 5. März 1998.

 

Mehrfachbehinderte Alkoholkranke:
Durchschnittsalter: 55 Jahre, 53 Bewohner. Davon männlich: 68%, weiblich: 32% (n=17)

 

Eine Befindensbesserung war am Stichtag - verglichen mit dem Aufnahmezeitpunkt - bei 100% eingetreten (weniger Tage mit Trunkenheit, Besserung persönlicher Sauberkeit bei alltäglichen Verrichtungen). Eine Abstinenz (>3 Monate) konnte bei 62,3% (n=33) erreicht werden. Davon: Anteil der abstinent gewordenen Männer: 57,6% (n=19), Anteil der abstinent gewordenen Frauen: 42,4% (n=14). Das heißt: Der Frauen-Anteil in der Abstinenten-Gruppe (42,4%) ist höher als in der Ausgangspopulation (32%).

 

 

J. Lindner, N. Nowack, W. Heckmann:

 

Subjektive und objektive Veränderungen in der Versorgungssituation Behinderter vor und nach der deutschen Wiedervereinigung am Beispiel eines psychiatrischen Behindertenheimes auf dem Gebiet der ehemaligen DDR

 

In der DDR mußten chronisch psychisch Kranke bzw. psychisch-mehrfachbehinderte Menschen oft in Bettensälen großer psychiatrischer Langzeiteinrichtungen leben. Nach der Wende wurde diese Situation durch zahlreiche Neubauten dezentraler komplementärer Einrichtungen (in der Regel nur noch mit Einzel- und Doppelzimmern) verbessert. Doch es stellt sich die Frage, wie betroffene Patienten ihre Versorgungssituation in der DDR
rückblickend einschätzen, und wie sie subjektiv ihre aktuelle Versorgungssituation sehen. So wurde eine Gruppe von 21 Probanden untersucht, die in einem 1995 neu gebauten Heim leben, das nun (auch räumlich) über zahlreiche soziotherapeutische, beziehungsorientierte und andere rehabilitative Angebote verfügt. Alle Probanden hatten schon vor 1989, zum Teil viele Jahre, in vollstationären Einrichtungen Sachsen-Anhalts gelebt.

Obwohl sich 72,7% in der DDR-Psychiatrie respektvoll behandelt fühlten, sahen nur 9,1% ihre Privatsphäre dort respektiert (in der neuen Einrichtung dagegen 81%). 55% erklärten, vor 1989 keinerlei Mitspracherecht bei relevanten Entscheidungen gehabt zu haben (gegenüber 12,6% zum Untersuchungszeitpunkt). Bevormundungen erlebten in der DDR-Psychiatrie 28,6% als sehr stark bzw. stark (in der jetzigen Einrichtung 0% ). Jedoch fühlten sich genauso viele Patienten (28,6% ) in der DDR-Psychiatrie gar nicht bevormundet (während 42,9% angaben, sich aktuell überhaupt nicht bevormundet zu fühlen).

Das Empfinden, in der DDR gesellschaftlich diskriminiert worden zu sein, gaben nur 9% der Befragten an. Allerdings fühlte sich heute keiner der Befragten mehr diskriminiert. Die psychiatrische Versorgung in der DDR beurteilten 33,3% als gut, keiner als sehr gut und 23,8% als schlecht. Dagegen wird die aktuelle Versorgungs-situation von 61,9% als sehr gut bezeichnet, von 19% als gut und von keinem der Befragten als schlecht.

 









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